Gerberei J. Stölcker, Mühlhausen, Thüringen Eine der letzten deutschen Gerbereien



Die Gerberei Stölcker existiert seit 1895 in der nunmehr vierten Generation.

Das erste halbe Jahrhundert auf das Gerben von Schafs- und Ziegenleder spezialisiert, wurde die Produktion zur DDR-Zeit im Jahr 1952 komplett auf die Herstellung von Schweinsleder umgestellt. Seit 1992 werden ausschließlich Felle gegerbt. Haupteinnahmequelle ist die Herstellung von Schaffellen, die als Medizinalfelle, Baby-Felle oder Dekorationsfelle genutzt werden.

Quellbach, für den die Gerberei Stölcker das Wasserrecht besitzt

Gesalzene Felle
Gerberbaum, mit dem mit Muskelkraft Reste vom rohen Fell entfernt werden

Gerbfaß
Aufspannen eines Felles

Aufrauhen der Felle
 
Der Drei-Personen-Betrieb verarbeitet durchschnittlich je 150 Wild- und Schaffelle pro Monat. Bei deren Bearbeitung bleiben 400 bis 600 kg Konfiskate, d.h. Fleisch- und Rohhautabfälle, übrig, die an eine Tierkörperverwertungsanlage geliefert werden. Das Frischwasser stammt von den Mühlhausener Quellbächen, der Betrieb hat zur Entnahme das sogenannte Wasserrecht.

Die Gerberei Stölcker arbeitet heute mit dem traditionellen Weißgerbungsverfahren, bei dem Alaun als Gerbmittel angewandt wird.

Unmittelbar vor der Gerbung befreit man die rohen Felle am sogenannten "Gerberbaum" mit einem Schabemesser oder an der Entfleischmaschine von Fleisch-, Fett- und Bindegewebsresten. Falls notwendig, werden die Felle mit reichlich Steinsalz konserviert.

Die rohen Felle, die sogenannten „Blößen", werden in Gerbfässern mit der Gerblösung, der "Flotte", behandelt und bei Bedarf gefärbt. Die Flotte wird im Kreislauf geführt, so daß nur verbrauchtes Gerbmittel ersetzt werden muß. Wird die Flotte einmal komplett ausgetauscht, wird vor dem Einleiten in die hauseigene Kläranlage das Gerbmittel ausgezehrt, so daß die Abwässer nur gering belastet sind.

Zum Trocknen werden die Felle in Spannrahmen aufgehängt. Abschließend wird die Fellunterseite auf Schleifrädern velourartig aufgerauht.