Der Dreck muß aus der Stadt Bevölkerungswachstum und Entsorgung

Bevölkerung und Wirtschaft wachsen, die Abfallentsorgung hinkt hinterher

Mit Beginn der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum in den Städten wurden funktionstüchtige Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen immer dringlicher.

Die Städte begannen Wasserversorgung und Kanalisation zu installieren und eine regelmäßige Müllbeseitigung und Straßenreinigung zu organisieren. Oft konnte man aber mit dem rasanten Bevölkerungsanstieg nicht Schritt halten.
Fahrt durch die Hamburger Sielgewölbe
Berlin entwickelte sich von knapp 163.000 Einwohnern 1810 bis 1877 zur Millionenstadt, München hatte 1811 etwa 50.000 Einwohner, 1900 schon ca. 490.000, Würzburg hatte 1813 19.925 und 1911 85.100 Einwohner ...

Entsorgung in öffentlicher Hand

Erfolgreich wurde die Müllabfuhr erst, als die Einsammlung und Entsorgung von den Städten in Eigenregie übernommen, also "städtisch" wurden. Unterstützt wurde der Erfolg durch das preußische Kommunalabgabengesetz von 1893, das den Städten erlaubte, Gebühren für Straßenreinigung und Müllabfuhr zu erheben. Polizeiverordnungen und Ortsgesetze regelten ab dieser Zeit auch den Benutzungszwang für die neuen Entsorgungseinrichtungen. In Schweinfurt wurde die städtische Müllabfuhr 1909 und in Aschaffenburg 1910 eingeführt.
Müllabfuhr, Magdeburg 1910

Fäkalienentsorgung

Wie in anderen großen Städten wurde in Schweinfurt schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Kanalisation im heutigen Sinne eingeführt. Dennoch mußten zahlreiche Fäkalgruben regelmäßig bis weit ins 20. Jahrhundert mit Pumpen entleert werden. Die Grubeninhalte wurden dann in Schweinfurter Vororten landwirtschaftlich verwertet. Anderenorts, beispielsweise in Stuttgart, wurden die Fäkalien auch regelmäßig in Kübeln zur Abholung bereitgestellt.

Flader Fäkaliensauger, 1925
Wagen zur Abholung von Fäkalieneimern
Fäkalieneimer

Industrialisierung - Beginn der Massenabfälle

Seit Beginn der Industrialisierung waren auch große Mengen neuartiger Industrie- und Gewerbeabfälle zu entsorgen.

Dies waren zum Beispiel Kohlenrückstände wie Staub, Asche, Ruß, Steinkohlenschlacke aus Verbrennungsanlagen, ferner Metallabfälle, Abfälle von Alaun-, Anilin- und Farbenfabriken, Abfälle aus Druckereien, Rückstände von Kokereien und viele andere, von denen etliche tausend Tonnen pro Jahr anfielen und nicht mit der Hausmüllabfuhr entsorgt werden konnten.

Viele dieser Abfälle konnten behandelt und verwertet werden, andere wurden abgelagert oder vergraben. Manche der damaligen Industrieabfälle, wie z.B. Gaswerkrückstände, stellen noch heute eine Gefährdung für die Umwelt dar.