aus dem Mainecho vom 04.05.1999:



»Keine heiße Asche einfüllen« heißt eine Ausstellung, die bis 28. Mai im Foyer der Regierung von Unterfranken zu sehen ist und dann ihren Weg durch die unterfränkischen Landkreise antreten wird. Die Ausstellung, die Regierungspräsident Dr. Franz Vogt am Montag eröffnete, zeigt den »ewigen Kampf gegen den Müll« am Beispiel der unterfränkischen Landkreise und Städte. Zusammengestellt wurde sie von der Arbeitsgemeinschaft der Abfallberater bei den kreisfreien Städten und Landkreisen.

Die Präsentation geht zurück bis in die Frühgeschichte des Abfalls, zeigt beispielsweise Funde aus einer Abfallgrube, die 3000 Jahre vor Christus im heutigen Hainbach im Landkreis Schweinfurt angelegt worden ist. Der menschliche Umgang mit dem Müll ist in vier Zeitabschnitten dargestellt. Gezeigt wird die Entwicklung von der einfachen Entsorgung bis hin zur Bewirtschaftung.
Wahre Fundgruben

Wahre Fundgruben waren unter anderem Latrinen, Abfallgruben und Brunnen in Aschaffenburg. So wurde in der Pfaffengasse um 1740 für ein großes Fest eigens eine Latrine angelegt, die auch alle Überreste der Feier aufnahm. Aus den Funden konnte sogar der Speisezettel dieses Gelages rekonstruiert werden.

Ein frühes Beispiel für Recycling ist die Papiermühle Homburg im Landkreis Main-Spessart. Dort wurden zu Beginn der Papierproduktion 1807 ausschließlich Lumpen und später auch Altpapier eingesetzt. Am Beispiel Schweinfurt wird dargestellt, wie Mitte des 19. Jahrhunderts nach Einführung der Kanalisation in den großen Städten die Fäkalien entsorgt wurden. Trotz Kanals mußten bis weit ins 20. Jahrhundert noch zahlreiche Gruben mit Pumpen entleert werden. Die Grubeninhalte wurden in den Schweinfurter Vororten landwirtschaftlich verwertet.

Andere Sorgen

Nach dein Zweiten Weltkrieg hatten die Menschen in Unterfranken andere Sorgen als eine geregelte Müllabfuhr. Bis zum ersten Abfallgesetz im Jahr 1972 wurden noch vielerorts Abfälle an Steilhängen und Böschungen abgekippt. Andererseits gab es 1970 schon 24 Verbrennungsanlagen für Müll in Deutschland.

Die umfangreiche Ausstellung zeigt auch die Entwicklung der biologischen Abwasserbehandlung in Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg, die Behandlung des Verpackungsmülls und den Weg von der Müllabfuhr zur Kreislaufwirtschaft.

»Die Ausstellung als einzige ihrer Art wird sicherlich auch in der Fachwelt auf großes Interesse stoßen«, sagte der Regierungspräsident am Montag. Dem Besucher werde auch deutlich, welche Leistungen er für seine Müllgebühren erhalte. Vogt sprach von beeindruckenden umweltpolitischen Erfolgen in den vergangenen Jahren. Die Gewässerqualität habe sich stark verbessert, der Müllnotstand sei abgewendet und auch bei der Luftreinhaltung, seien deutliche Fortschritte erzielt worden.