Ausgeschlachtet und eingeschmolzen Recycling in den 50ern und 60ern

Glas

Die Rohstoffe für Glas, nämlich Sand, Kalk und Soda waren billig. Da die Energiepreise ebenfalls niedrig waren, ließ sich die Glasindustrie zu einer Einwegkampagne mit dem Titel "Ex und Hopp" hinreißen.

Viele bisherige Mehrwegsysteme wurden eingestellt. Der Weg der Glasverpackung mündete von nun an in die Mülltonne.
Glasproduktion

Metalle

Direkt nach dem Krieg waren große Mengen an Metallschrott wie Eisenbahnbrücken, Eisenbahnwaggons, Fabrikanlagen, Straßenbahngleise und Rüstungsgüter zu entsorgen, die meist als Reparationsleistungen an die Alliierten weitergeleitet wurden.

Der Alteisenhändler, der mit dem Handkarren durch die Straßen zog, hatte ab den 50er Jahren ausgedient.

Nun fuhren motorisierte Sammler mit Lkws über die Dörfer.

Sinkende Metallerlöse und steigende Kosten für den Fahrzeugunterhalt sowie die Verdrängung von Blech und Gußeisen bei Haushaltswaren durch Kunststoffe machten diese Art der Sammlung aber zunehmend unwirtschaftlich.
"Fahrender" Alteisenhändler


Altmetallsammlung, Firma Westarp, Aschaffenburg, ca. 1950
 
Andererseits nahm durch die steigende Motorisierung und Technisierung die Menge an Autowracks, elektrischen Haushaltsgeräten und Landmaschinen zu. Deren Wieder- verwertung hing in erster Linie vom Marktwert der Metalle ab.

"Autofriedhöfe" stellten jetzt die erste Stufe der Altmetall- verwertung dar. Nach dem "Ausschlachten" wurden die Karossen in gepresster Form zum Hochofen oder Stahlwerk transportiert. Viele Wracks landeten jedoch in der Landschaft oder auf Müllkippen.

Sortenreine Metallabfälle, die bei der Produktion anfielen, wurden nach wie vor gesammelt und über Metallhändler vermarktet.

Der klassische Schrottplatz
Schrottverwertung mit Schrottpresse
"Alternative" Altauto-Entsorgung in den 60er Jahren

Textilien und Leder

Mitte der 60er Jahre begannen caritative Organisationen mit der Sammlung von Altkleidern. Hauptzweck war das Aussortieren noch tragfähiger Kleidung. Lumpen und Altkleider fanden immer weniger Verwendung bei der Herstellung von Reißwolle für Filze, Putzwolle und Lappen.

Zur Herstellung von Spezialpapieren wie Geldscheinen wurden weiterhin Lumpenfasern (Hadern) eingesetzt, da diese lang und stabil sind.

Selbst Leder wurde zunehmend verwertet. Nach der Zerfaserung und Durchmischung mit einem Bindemittel läßt es sich zu einem lederartigen Material auswalzen, das vor allem bei der Innenausstattung von Schuhen, z.B. den Brandsohlen, eingesetzt wurde oder auch heute noch eingesetzt wird.
Alttextilhandel, Firma SKP, Hamburg


Einsatz von Altmaterialien bei der Schuhherstellung

Kompost aus Müll

Weinbauern organisierten die Einsammlung und Kompostierung von Hausmüll, um die im Krieg vernachlässigten Böden mit Humus und Nährstoffen zu versorgen.

Daß Asche und Störstoffe wie Glas und Metalle im Kompost auftauchten, störte zunächst nicht.

Die erste kommunale Großkompostierungsanlage für die Entsorgung des Hausmülls von 60.000 Menschen entstand 1954 in Baden-Baden.

Papier

Die Wirtschaftswunderzeit war geprägt durch immer aufwendigere Verpackungen, meist aus Papier und Pappe.

Die Papierherstellung machte technologische Fortschritte und verbilligte das Produkt Papier.

Der Papierverbrauch verdoppelte sich seit den 40er Jahren. Während in den ersten Nachkriegsjahren bis zu 40 % Altpapier bei der Herstellung von neuem Papier verwendet wurde, sank die Verwertungsquote in den 50er Jahren ins Bedeutungslose.

Ausschließlich sehr gute Altpapiersorten wurden von Altstoffhändlern vermarktet. Die Aschaffen- burger Papierfabrik PWA setzte in den 60er Jahren schon wieder 25% Altpapier bei der Papierproduktion ein.

Viele Zellstoff- und Papierfabriken in Deutschland mußten allerdings wegen massiver Luft- und Gewässerverschmutzungen geschlossen werden, da sie nicht mit Reinigungsanlagen nachgerüstet wurden oder werden konnten.

Altpapiersammlung, Firma SKP, Hamburg
Papierproduktion, Firma PWA, Aschaffenburg
Altpapierauflöser für Altpapier und Kartonagen, Firma PWA, Aschaffenburg