Staubfreie Abfuhr für Schweinfurt und Würzburg

Vor der Umstellung

Anfang der fünfziger Jahre begann man auch in den Städten Unterfrankens die Müllabfuhr grundlegend neu zu ordnen (Schweinfurt 1950, Würzburg 1953). Der Fahrzeugbestand stammte noch aus der Vorkriegszeit, so daß sowohl Gefäße wie auch Fahrzeuge gänzlich veraltet waren.

Die vor allem im Winter mit viel Asche gefüllten Behälter wurden offen über die Ladekante gekippt, was mit großer Staubentwicklung verbunden war.

Einheitliche Gefäße waren beispielsweise in Schweinfurt zwar seit 1909 vorgeschrieben, jedoch waren Ausnahmen die Regel.

Ein gutes Bild der Müllabfuhr in Schweinfurt vor der Umstellung liefert die Situationsbeschreibung des damaligen Betriebsdirektors vom 12. Dezember 1949:

Betreff: Grundlagen für Vortrag beim Stadtrat über Müllabfuhr

Derzeitige Müllabfuhr.

Städtehygienisch: Vollkommen unzureichend, offene Mülltonnen, offene Verladung in die Müllautos, Mülltonnen ohne Deckel, im Sommer Fliegenplage, Seuchengefahr, Gestank, bei der Abfuhr Verunreinigung der Wege und Strassen, Kinder und Hunde wühlen in den offenen Mülltonnen.

Betriebstechnisch: Vielgestalt der Mülltonnen lässt keine Arbeitsnormen zu. Überwachung der Arbeitsplatzleistung daher nur schwer möglich. Lade- und Bereitstellzeiten können nur ungefähr vorgeschrieben werden. Müllautos veraltet, häufig Ausfälle, viel zu hohe Reparaturkosten. Doppelte Abfuhr in der Woche nicht immer durchführbar, ständige Schwankungen in der Abfuhrleistung.

Finanzielles: Gebührenhöhe absolut unzureichend, Grundlage der Gebühr - Hausfriedensmiete - wird den heutigen Wohnverhältnissen in keiner Weise gerecht. Seit Jahrzehnt ist die Müllabfuhr Zuschussbetrieb. Zuschüsse schwankend seit 1936 zwischen 10 000.- und 40 000.- DM. Kapitaldienst kann in Anbetracht des Zuschusses bis heute nicht berücksichtigt werden.

Organisation: Satzung lässt zu viel Befreiungen zu. Verbunden damit Gebührenausfall. In verschiedenen Fällen trotzdem unregelmässige Abfuhr bei den befreiten Hausbesitzern durch Müllarbeiter gegen Trinkgelder. Betriebspersonal veraltet und verdorben. Zu langer falscher Einsatz falschen Personals. Ständiger Streit mit den Hausbesitzern wegen Abfuhr und Tonnenart.
Zur Umstellung wurden neue Müllfahrzeuge bestellt. Stadteigene und einheitliche Mülltonnen wurden angeschafft, die Bevölkerung über den Umgang mit den neuen Gefäßen informiert.
Staubige Angelegenheit


Freie Behälterwahl

Nach der Umstellung

Von der Presse wurde die Modernisierung überall gelobt und als städtehygienische Wohltat gepriesen:


Die staubfreie Abfuhr im Einsatz

Der Umgang mit den neuen Gefäßen führte auch zu Mißverständnissen, wie ein Leserbrief im Schweinfurter Tageblatt vom 18. April 1950 zeigt.

Bis heute hat sich an der Beurteilung von Verwaltung und Politik nichts geändert!

Genormte Behälter erleichterten die Arbeit ...
... und ermöglichten erst die staubfreie Entleerung ins Müllfahrzeug
Leserbrief im Schweinfurter Tageblatt vom 18. April 1950