Kadaver, Aas und faules Fleisch Die Arbeit der Abdecker, Gerber und Schuster

Abdecker

Die Aufgabe, Kadaver und nicht mehr verwendbare Haustiere abzuhäuten, "abzudecken", "abzuledern", zu "schinden", fiel ab der Zeit Karls des Großen den Abdeckern zu.

Oft mußte diese Tätigkeit von den Scharfrichtern übernommen werden.
Wasenplatz oder Schindanger, Frankreich
Die Scharfrichterordnung von Aschaffenburg aus dem Jahre 1526 regelte die Pflichten des Scharfrichters, unter anderem seine Tätigkeiten als Abdecker:

"Wo einem Bürger ein Pferd oder Rindviehe abgingen und der Meister die Haut abgeschunden hatte, begehrt der Bürger die Haut seines verstorbenen Viehes, soll Er ihme die zur Handten stellen, und vor seinem Schindtlohn und Arbeitnehmen sechs Schilling, facit - 4 1/2 Albus ...

... Ferner wann der Meister Häut zu verkaufen hat, soll Er sie zueforderist den Meister Rothgärbers Handwerks zue feylem Kauf anpiethen, und da sie deren nit bedürfen, noch begehren würden, als dann anders wohin zu verkaufen Macht haben ...".
 
Die Verwendung des Fleisches verendeter Tiere wurde unter Strafe gestellt, als Zusammenhänge mit schweren Erkrankungen festgestellt wurden.

Kadaver sollten auf umzäunten Plätzen vergraben werden.

Bis weit in die Neuzeit wurde jedoch eine Vielzahl verendeter Tiere nicht beim Abdecker abgeliefert, sondern sie verwesten an Ort und Stelle. Auch ließen die meisten "Schinder" nach Entfernung des Fettes, der wertvollsten Knochen und Sehnen den Rest der Tierkörper einfach auf dem "Wasenplatz" liegen.

Eine Besserung dieser Zustände brachten erst die Abdeckerei- privilegien im 17. Jahrhundert, weil den Abdeckern alles Vieh zur Abholung "angesagt" werden mußte.
Messerer, der unter anderem Knochen zu Messergriffen verarbeitete
 

Gerber

Die erste Innung der Lederarbeiter in Deutschland wurde 1284 in Berlin gegründet.

Die Gerber wurden schon bald nach außerhalb der Wohnviertel in wasserreiche Gegenden verbannt, da die Hauptarbeitsgänge des Gerbens wie Waschen, Färben und Beizen große Mengen an Wasser verschmutzten.
Ein Gerber entfleischt eine rohe Haut direkt im Fluß, 1576
Bei der anfangs ausschließlich angewandten "Sämisch"-oder Fettgerbung wurden keine Zusatzstoffe benötigt, so daß sich die Umweltprobleme in Grenzen hielten. Bei neuen Gerbverfahren hingegen - wie der Rot- und Weißgerbung - kamen Hilfsstoffe wie pflanzliche Gerbmittel, Alaun, gefaulter Urin, Galle oder Kot zum Einsatz. Abfall- und Abwasserprobleme begannen sich zu verschärfen.

Als Abfälle fielen Rohhautreste, Bindegewebe, Fett, Salz, mehr oder weniger große Mengen Gerbmittel und bei der Verarbeitung Lederverschnitt an.
Gerber bei der Arbeit, 15. Jahrhundert

Schuster

Die gebräuchlichsten Ledererzeugnisse waren Schuhe.

Die einfache Machart der Schuhe und schlechte Wegverhältnisse führten zu starkem Verschleiß und hoher Nachfrage - mehrere Paar pro Jahr. Die Flickschusterei war daher ein klassisches Reparaturhandwerk, da vor allem weniger Betuchte ihre Schuhe häufig reparieren lassen mußten.