Häuser, Höfe, Hütten Bauen ohne Abfall

Hausbau

In Deutschland wurde vielerorts bis weit ins 19. Jahrhundert hinein mit Holz gebaut. Vor allem Fachwerk war die dominierende Bauweise.

Ein Fachwerkbau besteht aus einem Gerüst aus Holz und den Zwischenräumen, den Gefachen, die mit Ziegelsteinen, Natursteinen, Lehmziegeln, Strohlehmgeflecht oder Bohlen geschlossen wurden.

Das Dach wurde mit Stroh, Reet, Holzschindeln und vor allem Tonziegeln eingedeckt.

Türen, Fenster, Vertäfelungen und feste Einbauten waren aus Holz gefertigt. Fußböden im Haus wurden mit Holzdielen und Natursteinplatten belegt, Ställe meist mit Feldsteinen gepflastert, während der Boden in Scheunen und Kellern nur aus gestampftem Lehm bestand.
Zimmerleute bei der Arbeit, Holzstich 1531
 

Abfälle

Bei der Produktion der Baumaterialien fielen Reste an, die als Brennmaterial, Gerbmittel (Rinden) und Füllmaterial fast vollständig verwertet werden konnten.

Bei Abriss- und Umbaumaßnahmen wurden Materialien geborgen und wieder verwendet. Alte Balken wurden oftmals wieder verzimmert. Ebenso wurden Ziegelsteine und vor allem Bruchsteine neu vermauert.

Als Abfälle blieben nach dem Abbruch verwitterte Dachziegel, Strohlehm und Lehmputz, die als Auffüllung genutzt werden konnten. Nahezu alle anderen Materialien konnten anderweitig eingesetzt oder wenigstens verbrannt und somit als Energieträger genutzt werden.

Rathaus Wohnbach (Baujahr 1752)bei Münzenberg, Oberhessen
Rathaus Wohnbach bei Münzenberg, Oberhessen, während des Umbaus 1909
Rathaus Wohnbach (Baujahr 1752)bei Münzenberg, Oberhessen, nach dem Umbau 1909

Hof, Garten

Im Gegensatz zu den Städten waren Hofflächen und Straßen in den Dörfern bis weit ins 20. Jahrhundert nur selten befestigt.

Lediglich Fahrbereiche für Fuhrwerke im Hof oder der Zugangsbereich zu Haus und Nebengebäuden war mit grob behauenen Feldsteinen gepflastert.

Befestigungen ganzer Hofflächen wurden in der Regel erst ab dem späten 19. Jahrhundert vorgenommen. Ob Pflastersteine ausgebaut und neu verlegt wurden, ist kaum nachweisbar, liegt aber nahe. Oft verschwanden Pflasterungen auch unter Auffüllungen.

Gärten wurden mit Hecken, Mauern und Holzzäune abgegrenzt. Sie dienten in erster Linie als Schutz vor freilaufendem Vieh und Wild. Abfälle aus Hofflächen und Gärten gab es im Grunde genommen nicht.
Schweineaustrieb im Sommer 1930 in den Hösbacher Wald, Landkreis Aschaffenburg

Ziegel, Naturstein

Schon seit der Antike war das Ziegelbrennen bekannt und weit verbreitet.

Im Mittelalter bis zur Industriali- sierung wurden in Süddeutschland in erster Linie Dachziegel gebrannt, die die brandanfälligen Stroh- dächer ersetzten.

Natursteine wurden in Steinbrüchen der Umgebung gebrochen, grob behauen und wie Ziegelsteine mit Kalkmörtel oder Lehm vermauert.

Kirchen-, Schlösser- und Burgruinen, aber auch Keller und Sockel einfacher Häuser wurden oft als "Steinbruch" genutzt. Viele Ruinen haben ihr jetziges Aussehen dadurch erhalten.
Ziegelbrennofen, Scheinfeld, Landkreis Neustadt a. d. Aisch