Qualität statt Quantität Mobiliar vergangener Jahrhunderte

Mobiliar und Herstellung

Möbel waren für die Bevölkerung bis Mitte unseres Jahrhunderts Gebrauchsgegenstände, zum Teil mit repräsentativem Charakter, die eine hohe Wertschätzung hatten.

Die Anzahl der Möbelstücke im Haushalt war gering.

Die Schreiner verwendeten in der Regel massives Holz aus der Region. Oberflächen von Möbeln konnten durch Applikationen, Furniere oder Anstriche veredelt werden.
Bauernstube, 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
 
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zunehmend industriell vorgefertigte Teile, meist Applikationen und gedrechselte Elemente, verwendet. Der regionaltypische Charakter der Möbel veränderte sich hin zum Einheitsstil der Gründerzeit.

Das Berufsbild des Schreiners änderte sich zunächst nicht. Begünstigt durch die Mechanisierung entstanden aber zunehmend Großschreinereien, Möbelfabriken und Möbelgeschäfte. Neue industrielle Holzwerkstoffe wie Sperrholz kamen ab Anfang des 20. Jahrhunderts langsam zum Einsatz.
Französische Großschreinerei, 1884

Abfälle

Abnutzungsspuren oder unmodern gewordene Oberflächen wurden durch Reparatur und Neuanstrich überarbeitet.

Beschädigungen am Holz konnten verhältnismäßig leicht behoben werden, da die Möbel lange Zeit aus Massivholz hergestellt wurden. Der Schrank erhielt eine neue Leiste, der Stuhl ein neues Bein. Schwundrisse im Holz wurden ausgefüllt. Alte Beschläge oder andere noch brauchbare Teile wurden gerne weiterverwendet.

Der "soziale" Abstieg

Brauchbare Möbel wurden üblicherweise an die nächste Generation weitergegeben, vor allem, wenn die wirtschaftliche Situation keine Neuanschaffung zuließ.

Konnte oder sollte unmodernes bzw. ramponiertes Mobiliar nicht mehr für Wohnzwecke genutzt werden, begann der "soziale Abstieg".

Anfertigung eines Schrankes zur Hochzeit, um 1800
Zur Hochzeit der Enkel wird der Schrank aufgemöbelt, 1860
Alt und unmodern, aber noch gut genug für`s Gesinde, 1900
 
Für die Vorratskammer langt`s noch, 1935
Warten auf die Endstation Sperrmüll, seit den 50er Jahren